Gewichtskonzentration

Von Thorsten Schmidt    09.01.2014

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Gewichtskonzentration, nicht verboten!

 

Der Rumpf der OK-Jolle muss mindestens 72kg wiegen gemessen bei ausgebautem Schwert und ohne  Großschot. Dieses Mindestgewicht wurde festgelegt vor mehr als 50 Jahren, als die meisten Rümpfe aus Holz im Selbstbau hergestellt wurden. Ziel der Regel war es stabile, haltbare Boote auch von Amateurbootsbauern herstellen lassen zu können, ohne konstruktive Kompromisse wegen des Gewichts eingehen zu müssen. Und tatsächlich  sind OK-Jollen haltbar, über Jahrzehnte konkurrenzfähig, robust und auch heute noch werden viele Boote im Eigenbau hergestellt. Mittlerweile ist die technische Entwicklung fortgeschritten und mit den erlaubten Materialien und modernen Herstellungsmethoden können OK-Jollen viel leichter gebaut werden, ohne dass dies zu Lasten von Stabilität und Haltbarkeit geht. Zwar kann durch Ausgleichsgewichte von bis zu 5 kg am vorderen Schott der Plicht das Rumpfgewicht von 72kg erreicht werden, (bei extrem leichten Rümpfen muss zusätzliches Gewicht an Bug und Heck angebracht werden), aber physikalisch ist es besser zusätzliches Gewicht mittschiffs zu verbauen. Durch eine solche Gewichtskonzentration um die Mittellinie und in der Nähe des Schwertkastens bewegt sich die Jolle besser durch die Welle und das bietet theoretisch einen Geschwindigkeitsvorteil. Weil das natürlich auch schon früher bekannt war, verbietet Regel 8.3 der internationalen Klassenregeln eine gewichtskonzentrierte Bauweise ausdrücklich:

8.3 Construction of the hull, with the exception of stringers, shall be of approximately even thickness (within 10%) and density longitudinally and no attempt shall be made to concentrate weight near mid-length, or at any other point. If it is suspected that this rule is being broken a NA may order test holes to be drilled in the skin or structure.

Sinngemäß übersetzt heißt es: Es darf kein Versuch gemacht werden Gewicht nahe der Längsachse oder an einem anderen Punkt zu konzentrieren. Ausdrücklich erwähnt wird, dass der Rumpf an allen Stellen die gleiche Dicke und Materialdichte haben muss (mit Ausnahme der Stringer) und nur eine maximale Abweichung von 10% der mittleren Dicke/Dichte erlaubt sind. Bei Verdacht können zur Kontrolle Testbohrungen im Rumpf durchgeführt werden.

Ausdrücklich nicht erwähnt sind mit dem Rumpf verbundene Beschläge , die bei der Vermessung mit gewogen werden. Hier besteht also im Regeltext eine Lücke, da mit besonders schweren Beschlägen in der Nähe der Mittellinie durchaus der Effekt einer Gewichtskonzentration erreicht werden kann. Die internationale Jury hat aber entschieden, das auch ohne ausdrückliche Erwähnung dennoch diese Gewichtskonzentration mit Beschlägen nicht erlaubt ist, weil sie der Intention, dem Geist der Regel 8.3 widerspricht.

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Auch ein Beschlag: Unterlagen für Ausreitgurte am vorderen Schot der Plicht

 

Präzisiert was danach praktisch alles verboten ist hat Terry Curtis.  Er war jahrelang Mitglied im technischen Komitee der OKDIA, Ihr findet seine Stellungnahme im englischen Forum.

Nicht erlaubt ist danach:

1. dass das vordere Schott an der Plicht (Vermessungsstation 2) dicker ist als das hintere (Vermessungsstation 1) oder der Spiegel
2. dass das vordere Schott an der Plicht (Vermessungsstation 2) aus dichterem/schwererem Material  ist als das hintere (Vermessungsstation 1) oder der Spiegel
3. dass der Rumpf im mittleren Bereich des Bodens mehr als 10% dicker ist als an den Enden/Seiten
4. dass der Rumpf im mittleren Bereich des Bodens aus dichterem/schwererem Material ist als an den Enden/Seiten
5. dass unerlaubte Materialien (z.B.  Blei, Stahl, Carbon) bei der Rumpfkonstruktion nicht sichtbar, unter der Rumpfoberfläche versteckt verwendet wurden.
6. dass außerordentlich schwere Beschläge verwendet werden im mittleren Bereich des Bootes, insbesondere im Bereich der Ausreitgurtbeschläge, Großschot-Basis/Block und  der Travellerbefestigung am Schwertkasten.
7. dass der Schwertkasten aus besonders dickem oder  dichtem/schwerem Material gebaut wurde.
8. dass besonders schweres Anti-Rutsch-Profil im Bereich des Cockpitbodens aufgebracht wurde.

 

Ob Terry’s Interpretation der Regel 8.3 in Zukunft Grundlage einer präzise gefassteren Konstruktionsregel für die OK-Jolle wird bleibt abzuwarten.  Um eine Chancengleichheit auch älterer OK-Jollen-Konstruktionen zu wahren ist jedoch möglicherweise eine Ergänzung oder Modifikation der bestehenden Regel erforderlich.