Nichts tun leicht gemacht!

Trotz nur vier Rennen an vier Tagen: Alles besser bei der KiWo 2026

von Andreas Pich 04.07.2026
Hochsommer, flirrende Hitze in der Betonwüste von Schilksee, silbernes Glitzern auf der Förde, überall sportliche, leicht bekleidete, wunderschöne Menschen und grenzenlose Entspannung als Lebensmotto, das waren die Attribute der diesjährigen Kieler Woche.

Und auch wir konnten uns diesem Gefühl der sommerlichen Leichtigkeit, -fast wie früher zu Beginn der 6-wöchigen Schulferien, nicht entziehen. Durch die äußeren Umstände und die ausgedehnte Wartezeit an Land, passierte es wie von selbst für die 50 OK-Segler, dass nicht mehr nur der sportliche Wettkampf im Vordergrund stand, sondern vor allem die wunderbar-sorgenfreie Zeit mit den Freunden.

Wie immer trafen sich am Mittwochabend die langsam in Schilksee eintröpfelnden OK-Segler zum Barbecue am Grill bei den Rettern. Kulinarisches Highlight des Abends war sicher das zart-rosa gebratene Lendenstück vom selbsterjagten Wild, dass Stefan Hoffmann großzügig in die Runde verteilte.

Für jeden Tag waren zwei Rennen geplant und Donnerstag sollte es erst um 13:00 Uhr losgehen. Also hieß es für mich: Gemütlich Frühstücken und dann mal schauen, was im Bootspark so los ist. Eine positive Erkenntnis stellte sich bereits bei der Steuermannsbesprechung ein. Unsere Wettfahrtleiterin machte einen vernünftigen Eindruck, war so zusagen auf unserer Seite und suchte auch während der gesamten Serie intensiv den Kontakt zu uns Seglern für ein Feedback.

Überhaupt funktionierte die Kommunikation mit dem Veranstalter und insbesondere der Wettfahrtleitung ganz ausgezeichnet. Statt über eine kompliziert zu bedienende App wie noch im letzten Jahr, bekamen wir unsere Infos diesmal bequem über eine WhatsApp-Gruppe. So waren wir nicht gezwungen bei jedem der seit Jahrzehnten erschallenden, nervtötenden Klingelgräusche (für die man die Kieler Woche allein schon hassen könnte) ängstlich zum Fahnenmast im Hafenvorfeld zu rennen.

Stattdessen entspannten wir meist in kleinen Gruppen irgendwo im Schatten, tranken literweise Kaffee in der neuen „Sailors-Lounge“, testeten das vielfältige kulinarische Angebot auf der Fressmeile oder nutzten die Zeit für ein Bad in der Ostsee, während ein Zahlenwimpel nach dem anderen mit der „Badehose“ hochgezogen wurde.

Natürlich war kein Wind und an segeln war den ganzen Tag nicht zu denken zumindest nicht auf unserer Bahn des Tages „Echo“ direkt links hinter Bülk. „Aftersail-Bier“ und Bretzeln gab es am Nachmittag trotzdem, auch ohne segeln und so konnten wir uns bei der Gelegenheit zwanglos verabreden, später am Abend gemeinsam der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM zuzugucken (schlechte Idee!) in den neuen Räumlichkeiten des TSVS.

Am Freitag sollten wir auf der Bahn Hotel direkt vor dem Olympiazentrum segeln und weil am Nachmittag tatsächlich die Seebriese einsetzte, ging es endlich aufs Wasser. Bei Wind aus Ost lag unser Startschiff gefühlt einen Steinwurf entfernt von der Hafeneinfahrt und wahrscheinlich hätte es gereicht den Joller beim Startschuss der vor uns startenden Contender ins Wasser zu schieben, um noch rechtzeitig starten zu können.

Zwei kurze, etwa 35 Minuten dauernde Rennen segelten wir über einen klassischen olympischen Dreiecks-Kurs mit Schleife bei etwa 2-3 Windstärken bevor der Wind deutlich nach rechts drehte. Nach einer kurzen Pause konnten wir dann auf dem neu verlegten Kurs Richtung Innenförde zum dritten Lauf des Tages starten und eins der ausgefallenen Rennen vom Vortag nachholen. Die Wettfahrtleitung machte bei schwierigen Bedingungen einen sehr guten Job, auch wenn das eine oder andere Dreieck etwas schief geriet und eine Leetonne statt des Gates in Zukunft sicher die einfachere und bessere Lösung wäre.

(c): Kieler Woche 2026/Klahn

Abends fand dann unser traditioneller KV-Abend bei der KiWo statt und wieder durften wir die schönen neuen Räumlichkeiten des TSVS nutzen. Dafür nochmals ganz herzlichen Dank an alle beteiligten Vereinsmitglieder und vor allem an unseren Ehrenvorsitzenden Norbert „Peit“ Petrausch. Heiner stand bei 35 ° Lufttemperatur gefühlt über Stunden für uns am heißen Grill und hatte dann auch noch genug Kraft im Anschluss zu spülen, den Rost zu reinigen und aufzuräumen. Der Held des Abends!

Samstag war erneut kein Gradientenwind angesagt und trotz neuer Hitzerekorde in Deutschland konnte sich auch die Thermik, -selbst auf der Innenbahn, den ganzen Tag nicht durchsetzen.
Stattdessen: Badetag, entspannen, viel Kaffee trinken für einen Euro! und schwätzen in der neuen Sailors-Lounge und abends Essen in großer Runde in den ehemaligen Bauernstuben. Es gab viel zu tun beim aktiven Nichtstun.

In der Nacht zogen heftige Gewitter durch und endlich, am Sonntagmorgen, regnete es, wenn auch nur kurz. Das wäre doch auch sonst keine echte Kieler Woche gewesen, ohne!
Bei erneut drehendem, leichtem Wind schaffte es die tapfere und unermüdliche Wettfahrtleitung ein viertes Rennen auf Kurs „Hotel“ ins Ziel zu bringen, bevor die Zeit für die letzte Startmöglichkeit erreicht war.

Nervenstark gewonnen hat Sebastian Schmidt-Klügmann vom Phoenixsee, der die Kieler Woche aus seinen früheren Laser-Tagen sicher auch noch anders (kalt, nass, windig) in Erinnerung hat.

(c): Kieler Woche 2026/Klahn

Zusammenfassend könnte man sagen: Die Anker haben diesmal gehalten!
Aber Sarkasmus ist unangemessen. Nachdem letztes Jahr von vielen Seiten berechtigte Kritik geübt wurde, wäre das diesmal wirklich unfair gegenüber dem Veranstalter. Viele Dinge haben sich für uns Segler verbessert und für den Wind…

Ergebnisse