von Stefan Hofmann 11.01.2026
Die Vorgeschichte
Da sitzt man nichts ahnend in China und lässt die Welt an ein paar kurzen Momenten Freizeit teilhaben und schon kommt Thorsten Schmidt um die Ecke: „Du bist doch eh gerade nicht daheim und hast ja anscheinend jede Menge Zeit, magst du nicht einen WM-Bericht schreiben?“
Ich überlege schon kurz ob ich rebellieren soll, wer ist hier jetzt noch mal dritter Deutscher geworden? Aber gut, ein bisschen Lust habe ich ja schon meine Erinnerungen noch mal zusammenzufassen.
Ich schreib mal, wie ich persönlich als Neuling in der Klasse die WM war genommen habe und was ich so in den einzelnen Rennen erlebt, gefühlt und gedacht habe. Natürlich gibt es da noch die Abende mit Freibier, die Klassenversammlung, die Pasta Partys und viele anderen Aspekte so einer Veranstaltung, aber darüber kann ja auch noch jemand anderes was schreiben.
Schon als ich 2023 die ersten Proberunden mit einer geliehenen OK gedreht habe, drehte sich fast jedes Gespräch um das eine große Highlight: Die WM 2025 auf dem Gardasee in Arco! Werden es mehr als 150 Boote, vielleicht sogar über 200? Um ehrlich zu sein war das für mich zum Anfang völlig abstrakt und eine WM als Ziel war für mich irgendwie übertrieben und überambitioniert, wenn ich so an meine ersten Trainings und Regatten in der OK denke.
Mich haben andere Regatten wie die Kieler Woche oder der Spring Cup mehr gereizt und ich habe nicht die Zeit für das ganz große Regattaprogramm. Wenn ich am Ende der Saison drei große und vielleicht eine kleine Regatta schaffe bin ich schon viel gesegelt. Aber wie das so mit den vermeintlich klaren Entscheidungen ist, wird doch immer im Kleinen an allem gesägt. Für mich war immer klar, ich fahre da nur hin, wenn ich auch vorne mitfahren kann. Für die Flotte Starnberg ist der Gardasee die zweite Heimat und wir haben bis April 2025 insgesamt 6 Trainingswochen in Arco eingelegt. Und mit jedem Tag, den man so zwischen den Felswänden hoch und runter segelt, verfestigte sich das Bild im Kopf hier bei der WM zu starten.
Allerdings ist so eine WM auch lang und man braucht auch ein paar Tage Urlaub. Für mich ist das aus beruflichen Gründen nicht einfach zu planen, ob ich in einem Jahr im September zwei Wochen frei nehmen kann oder wieder irgendwo in der Weltgeschichte herumreise. Der Schlüsselmoment war für mich dann der Spring Cup in Medemblick 2025. Ich war im Vorjahr 5ter geworden und hatte über Winter das Gefühl nochmal ein Stück besser geworden zu sein. Dann sah ich die Meldeliste und hab mir gedacht, vergiss es. Da kannst du froh sein, wenn du nochmal 5ter wirst. Am Ende stand ich da für mich überraschend mit dem Pott und hatte einige große Namen hinter mir. Ich sag es euch ehrlich, ich habe noch nicht viele Blumenpötte gewonnen und bin kein abgebrühter und cooler Gewinnertyp. Für mich war das ein großes Ding.
Als ich wieder daheim war, habe ich mir gedacht: „Weißte was, was soll die Bescheidenheit? Da meldest du jetzt und lässt dir schon mal den Urlaub genehmigen!“ Sollen sie mich doch mal alle an die Füße fassen mit der Arbeit und ich brauch eh eine Ausrede, um irgendwann im August die Biege zu machen in Singapur.
Die letzten Vorbereitungen
Die Vorbereitung war zwar gut, aber ich habe doch nicht so viele Wasserstunden zusammengebracht wie gedacht. Ein paar Mal bin ich krank geworden und als ich Mitte August wieder Zeit hatte, war ständig diese elende Flaute auf dem Starnberger Badeteich. Dafür hatte ich aus Asien ein bisschen Übergewicht mitgebracht und plötzlich standen da morgens 89kg auf der Waage, na da schau her! Dann muss es halt mit mehr Bier und weniger Training gehen, ist eh mehr der OK-Style. Sicherheitshalber sind wir, Michael Nissen und ich dann am Wochenende vor der WM noch mal für drei Segeltage nach Arco.
Wind war nur morgens aber den haben wir 3 Tage konsequent ausgenutzt. Endlose Anpasser, kurze 10min Hasenstartrennen, enge Wenden und insbesondere Halsen und noch mal Halsen. Irgendwann schauen wir uns am letzten Morgen bei 4-5bft nach der zwanzigsten Halse an und ich rufe Michael zu: „Zu einfach, ist langweilig!“ Er nickt, jetzt sind wir drin. Noch einmal einen langen Vorwind und zack platzt der Knoten bei mir, die Kiste fliegt los. Jetzt kann das losgehen!
Fortsetzung folgt