von Wolfgang Bork 10.05.2026
Was hat die Quagga-Muschel mit Whisky zu tun? Nix – beides ist jetzt nur, wie auch immer, an der Bigge aufgetaucht. Wie der Whisky dort aufgetaucht ist, kann man noch erklären, dazu später mehr. Bei der Muschel wird es da schon schwieriger. Die Quagga-Muschel (wissenschaftlich: Dreissena bugensis) stammt ursprünglich aus Sibirien und dem Kaspischen Meer und hat sich über Flüsse und Kanäle nach Nordamerika und Europa ausgebreitet. Im Michigansee in Nordamerika – also einem See, der mit den Talsperren im Sauerland durchaus vergleichbar ist, macht die Muschel schon 90 % der dortigen Biomasse aus. Wie die Muschel nun genau in die Bigge gekommen ist, weiß kein Mensch, aber jetzt ist auf jeden Fall Quagga-Muschel-Alarm an den NRW-Talsperren. Um die weitere Ausbreitung der Muschel zu verhindern, müssen Boote ab 2026 nach strengen Regeln behandelt werden, bevor sie ins Wasser dürfen. Und insbesondere der Hinweis, dass die Joller mit 3-prozentigem Wasserstoffperoxid (H₂O₂) desinfiziert werden müssen (empfohlene Einwirkzeit 60 Minuten) hatte im Vorfeld der Regatta Entrüstungsstürme bei den Seglern ausgelöst. Die Experten haben sich natürlich zeitintensiv über die Material(un)verträglichkeit ausgetauscht, an das Ende oder das Ergebnis dieser Diskussion kann ich mich nicht mehr erinnern und das ist vielleicht auch gut, denn letztlich hat auch ohne kunststoffschädliche Desinfektion jeder mit seinem Boot segeln dürfen. Aber irgendwie nervt die Muschel schon und Regatten, die nerven ja so gar nicht. Deswegen finde ich persönlich den Namen für die Regatta (Quagga-Boom) blöd. Vielleicht wird ja für die neu in das Programm aufgenommene Bigge-Regatta im nächsten Jahr ein schönerer Name gefunden. Verdient hat die Regatta es allemal, denn sie war wirklich schön und empfehlenswert.
Angereist bin ich, obwohl ich mitbekommen hatte, dass das zuvor angepriesene Training nicht stattfindet, trotzdem schon am Freitag. Dort angekommen, imponierte mir der Club auf jeden Fall schon mal ordentlich – schönes Clubhaus mit toller Aussicht über den See, oben ausreichend Parkplätze und auch unten direkt am Wasser, Möglichkeiten mit dem Auto zu stehen. Bei den Finns waren schon einige Segler da, bei den OKs waren wir nur zu zweit. So konnten Harald, der aus Kiel angereist war und ich in aller Ruhe unsere Boote aufbauen und danach bei einem 1a Schnitzel den Abend im Clubhaus ausklingen lassen. Beim Abendessen habe ich dann übrigens aus gut informierten Seglerkreisen erfahren, dass das Training ausgefallen sei, weil eine bis dato ausgezeichnete Niederlande-Deutschland-Beziehung ganz schlimm gelitten hatte. Und genau aus diesem Grund – also offensichtlich wegen einer beendeten Amouröse, war ein sehr gut segelnder Trainer nicht zur Bigge angereist. Geneigte Leserschaft: So ganz genau weiß ich das natürlich auch alles nicht, alles nur Hörensagen und es geziemt sich ja auch nicht hier tiefergehend nachzuforschen. Aber rein segeltechnisch auch alles egal – am Freitag ging sowieso kein Lufthauch und wir hätten gar nicht trainieren können.
Am Samstag zeigte der Blick aus dem Womo einen ebenso spiegelglatten See, wie am Vortag und recht gutes Wetter. Das änderte sich am Vormittag auch nicht und so hatten alle angereisten Segler erstmal die Ruhe weg. Bevor die Boote überhaupt aufgebaut wurden (irgendwie hatte man im Urin, dass heute nicht mehr viel passieren würde), präsentierte uns der Markenbotschafter der großen Brauerei aus dem Sauerland eine Weltneuheit – ein brandneu entwickeltes Fünfliterfässchen mit besonderer Zapfeinrichtung.
Aus Sicherheitserwägungen (gekühltes Bier wird ja oft schnell knapp) wurde dann auch sofort die Anweisung erteilt, zwei Fässchen in die Kühlung zu geben. Das Fässchen passte auch millimetergenau in die Kompressor-Kühlbox und wurde dort schon mal auf eine angemessene Temperatur gebracht. Somit war sichergestellt, dass wir später am Tag nicht verdursten. Die Angst war aber unbegründet, wie sich später herausstellte. Zur Mittagszeit hatte sich der größte Teil der OK-Rennsegel-Equipe auf der Terrasse eingefunden und es wurde weiter auf sehr hohem Niveau über Gott und die Welt gefachsimpelt.
Bereits kurz nach der Mittagszeit hatte die Regattaleiterin dann ein sehr glückliches Händchen. Und um es hier schon mal vorwegzunehmen, sie hat am Sonntag auf dem Wasser ebenfalls einen Top-Job gemacht. Auf jeden Fall hat sie am Samstagmittag alles richtig gemacht, als sie mit den Worten „Selbst, wenn wir später noch aufs Wasser gehen, ein Bier kann man schon jetzt trinken“ die erste Runde Bier gereicht hat. Die Frequenz der Freibierrunden am Nachmittag war noch recht gemächlich, sodass der bereits erwähnte Markenbotschafter der V Brauerei am späten Nachmittag zu einem Zwischenbier am Auto einlud. Die Fässchen sollten erst später zelebriert werden und so gab es „Helles Pülleken“ der besagten Brauerei. Eine ganze Zeit lang liefen die Gespräche wirklich gesittet und auf gewohnt hohem Niveau. Im Rahmen dieser Unterhaltungen kam zu Tage, dass ein Segler wieder zwei Fläschchen Whisky im Gepäck hat und diese für ein Tasting zur Verfügung stellt. Bei mir kamen an dieser Stelle gleich Erinnerungen an die Dümmer-Regatta vor zwei Jahren auf. Für mich war der Abend damals gut verlaufen, das war aber nicht bei allen der Fall. Wer nicht weiß, was ich meine, sollte sich noch einmal den Bericht von Stefan R. aus D. zu Gemüte führen. Die Duplizität der Ereignisse (samstags gutes Wetter, kein Wind, Whisky und der Vollstrecker kommt zu Besuch, obwohl er nicht segelt – er kam aber dann gar nicht mehr, was aber auch der Sache keinen Abbruch tat) kam zwar kurz zur Sprache, aber meine Bedenken, dass hoffentlich nicht wieder zu viel „gesoffen“ wird, wurden weggewischt. Hier habe ich dann gelernt, dass man früher vielleicht gesoffen hat, heute wird das viel schöner mit Tasting beschrieben. Hört sich auch viel besser an, obwohl das Ergebnis wahrscheinlich das gleiche ist. Doch dazu später mehr.
Ein paar Runden „Helles Pülleken“ waren es dann wohl schon, denn die Gespräche wurden teilweise doch emotionaler. Die Diskussion rankte sich unter anderem auch darum, ob und inwieweit Entwürfe für Regattaberichte sinnvoll und selbsterklärender für die geneigte OK-Leserschaft optimiert werden dürfen. Hätte ich da schon gewusst, dass ich einen Bericht schreiben muss, hätte ich besser zugehört. Jedenfalls war es wahrscheinlich gut, dass wir zum Dinner (ja Dinner, nicht Abendessen) gerufen wurden.
Was soll ich sagen, eine wahre kulinarische Offenbarung. Das Küchenteam hatte ein Meisterwerk vollbracht, das weit über die gewöhnliche Küche, die der gemeine OK Segler so gewohnt ist, hinausging. Eine Tranche zartesten Rinderfilets von exquisiter Qualität (bestimmt gibt es dafür auch eine französiche Bezeichnung), ruhte auf einem Bett von Rosmarinkartoffeln, umrahmt von edlem Grillgemüse, das subtil verfeinert und mit einer Sahne-Tomaten-Emulsion vollendet wurde. Die Atmosphäre war von ungetrübter Genussfreude geprägt und jeder Segler schien jeden Augenblick in vollen Zügen zu zelebrieren.
Vor, während und auch in der Zeit nach dem Essen, war die Frequenz der Freibierrunden wirklich passend – abgesehen von den ein oder zwei Zwischenbieren, die selbst organisiert werden mussten. Ansonsten hatte sich die vorbildlich agierende Wettfahrtleiterin perfekt um uns gekümmert und immer proaktiv und im richtigen Rhythmus Bier bereitgestellt. Kurz hatte ich mal den Eindruck, dass es doch zu viele Runden werden, aber beim Wasserlassen (also jetzt nicht die Boote) wurde mir ärztlicherseits versichert, dass es (das Bierchen trinken) einem die Nieren danken werden. Bis dahin hatte ich das noch gar nicht von der Niere aus betrachtet und war irgendwie sehr beruhigt. Das ging dann so bis 20:30 und in der Messe des Clubs wurde es langsam leerer. Als ich dann auf die Terrasse kam, saßen sie da – beim besagten Tasting. Wobei, es saßen nicht mehr alle beim Tasting, denn einer hatte sich dem Vernehmen nach schon ins Hotel bringen lassen (vielleicht hat er es aber auch noch selbst dorthin geschafft). Jetzt muss man natürlich aufpassen, dass man den wichtigen Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte nicht verletzt. Deshalb nennen wir die Haupt-Beteiligten mal Whisky. Whisky 1 bringt den Whisky immer mit. Whisky 2 ist nach oder schon während des Tastings immer früh im Bett, erfreut sich am Day after aber immer bester seglerischer Gesundheit und die Platzierung deckte sich bei dieser Regatta mit der Nummer in seinem Alias. Whisky 3 hatte am Dümmer derart getasted, dass es ja damals auch ein übles Ende genommen hatte. Wobei auch keiner mehr genau weiß, was damals alles passierte. Was am Dümmer geschah, bleibt am Dümmer. Jetzt jedenfalls hat sich Whisky 3 wieder auf seine Kernkompetenz als Bier-Markenbotschafter besonnen. Der war also quasi komplett raus. Neu hinzugekommen ist Whisky 4, ein hartgesottener Liebhaber des Ruhrgebietsfußballs. Nachdem Whisky 2 und 3 raus waren, haben, soweit ich das richtig verstanden habe, Whisky 1 und 4 bis in die frühen Morgenstunden debattiert und getasted. Ich weiß ja nicht, ob Whisky 1 wirklich geglaubt hat, dass er die Nacht genauso gut überlebt, wie Whisky 4. Aber man muss halt akzeptieren, dass ein Schalker alles wegsteckt. Auf jeden Fall sah Whisky 1 am Sonntagfrüh echt sch….. aus.
Aber egal, das Wetter war immer noch gut und der versprochene Wind war auch da. Also ging es zügig raus aufs Wasser und man war Talsperren-typisch nach ein paar Minuten an der Startlinie. Die Wettfahrtleitung hat dann zügig die erste Wettfahrt gestartet – zuerst die Finns – und nach einer knappen Dreiviertelstunde ging es schon in die zweite. Die insgesamt vier Wettfahrten wurden von der erfahrenen Wettfahrtleitung sehr gut und zügig ausgerichtet. Während Sebastian die erste und Simon die zweite Wettfahrt gewonnen hatte, konnte Stefan die Wettfahrten drei und vier für sich entscheiden. Bei zwei bis vier Windstärken musste man wirklich jeden Winddreher mitnehmen und durfte sich nicht darauf verlassen, dass eine Seite, die auf der Kreuz davor funktionierte, auch bei der nächsten die Richtige war. Der Kurs war nicht besonders lang und das Feld der 14 OKs lag oft erstaunlich dicht zusammen, sodass es an den Tonnen trotz des kleinen Feldes teilweise ziemlich eng wurde. Sebastian hat insgesamt die konstanteste Serie hingelegt und damit vor Stefan und mir (punktgleich mit Claus) die erste Bigge-Regatta gewonnen.
Was soll ich sagen, jetzt ist mir beim nochmaligen Lesen des Textes aufgefallen, dass der Teil des Berichts, der sich auf das Segeln bezieht, im Verhältnis zum Rest etwas kurz geraten ist. Da kann ich jetzt aber auch nichts mehr dran machen – Club gut, Bigge gut, Segeln gut, die Quagga hat auch nicht wirklich gestört – also hoffe ich, dass nächstes Jahr mehr Boote die Bigge „tasten“- denn es war schön dort.
Zu guter Letzt: Um Whisky 1 habe ich mir nach der Siegerehrung noch fast Sorgen gemacht. Wirklich, ich hatte nämlich Angst, dass er sich tot jammert: Ooh, aah, uuh, mir geht es soooo schlecht, ich glaube, ich muss mich vor der langen Rückfahrt (eine Stunde!) noch mal hinlegen. Ich hoffe, der ist wieder gesund – ich glaube aber, der kennt ’nen Arzt.
Viele Grüße und bis demnächst
Wolfgang GER 872