Echte Freude

Fredrik Lööf ist neuer Europameister 

von Andreas Pich 29.09.2018
Heute, am vierten und letzten Tag der Europameisterschaften in Bandol zeigte sich das Segelrevier auf dem Mittelmeer nochmal von einer ganz neuen Seite und bescherte den drei Titelfavoriten eine Nervenschlacht bis zum letzten Lauf. Nach Starkwind zu Beginn, sehr wenig Wind und Strom am Folgetag und dem perfekten Segeltag gestern bei Mittelwind waren die Bedingungen heute sehr schwierig. Kaum einem der Segler gelangen heute zwei gleich gute Rennen und viele hatten irgendwie das Gefühl zumindest bei einem der Rennen unter ihren Möglichkeiten geblieben zu sein.

Fredrik Lööf, OK-Europameister 2018

Wieder begann der Morgen  mit einer Startverschiebung, aber nach einer Stunde schickte uns die Wettfahrtleitung aufs Wasser und diesmal wirklich weit aufs Meer aus der Bucht heraus. Der Wind setzte wie in den letzten Tagen schon mehr oder weniger schlagartig ein und wir hatten durchgehend  3-4 Windstärken. Die selbstverständlichen Begleiter bei dieser Euro waren der strahlende Sonnenschein, der wolkenlose Himmel und das azurblaue Mittelmeer.

Auf dem neuen Kurs außerhalb der Bucht gestaltete sich der Wind überraschend stark drehend und eigentlich ging es in beiden Wettfahrten nur über links. Rechts schien immer mehr Wind zu sein aber eigentlich war jeder Meter in diese Richtung eine Katastrophe. Oben an der Tonne kam man von rechts einfach nicht mehr zurück und bezahlte doppelt und dreifach. Die Starts in großen Feldern sind bekanntlich extrem wichtig. Heute war es aber wirklich existentiell eine freie Spur nach links zu haben. Wer aus der zweiten Reihe nach rechts wegwenden musste war aus dem Rennen. Die Startlinie war heute, wie bei den meisten Rennen der letzten Tage ziemlich kurz und deswegen waren Zurückhaltung oder Zögern in der Startphase einfach nicht angesagt. Meist waren die Abstände schon an der ersten Tonne sehr groß, es gab eben nur eine Spur über links und die Boote fädelten sich schon auf der Startkreuz wie an der Perlenschnur auf.

 

Von den drei Titelanwärtern machte es Charlie Cumbley im ersten Rennen des Tages am besten und gewann. Thomas Hanson-Mild, der bis dahin Gesamtführende wahrte seine Chancen und kam als Dritter ins Ziel, während Fredrik Lööf als Sechster scheinbar wichtigen Boden verloren hatte. 

Im achten und letzten Rennen der Serie aber zeigte der schwedische Olympiasieger seine ganze Klasse und gewann in souveräner Manier den Lauf und den Titel, weil seine beiden Konkurrenten im Pulk stecken blieben und bei dem eindimensionalen Rennen über links keine Chance mehr hatten nach vorne zu segeln.

Greg als 8. war sicher zufrieden aber nicht vorbehaltlos glücklich und seine Tagesplatzierungen 8/24 sind ein Indiz für die wirklich schwierigen Bedingungen heute. Sönke hatte bis dahin eine wirklich tolle Serie hingelegt. Aber heute erlebte er bei diesen beiden Rennen sein persönliches Waterloo. Sein Versuch über rechts und wieder über rechts endete im Mittelfeld und in der zweiten Tageswettfahrt gab er entnervt auf. Auch wenn er als 11. den angestrebten Krawattenplatz unter den Top Ten denkbar knapp verpasst hat bleibt für ihn die Gewissheit ganz vorne mithalten zu können.

Mit meinem 12. Platz bin ich sehr zufrieden auch wenn ich gerade heute viele Plätze verschenkt habe weil ich in manchen Situationen zu konservativ oder ängstlich war um noch mehr Risiko zu gehen.  Das ordentliche Ergebnis aus deutscher Sicht rundete Ossi (14.)  ab, der mit den Tagesplatzierungen 32 und 7 zumindest im letzten Rennen noch mal ein Erfolgserlebnis hatte.

Insgesamt war es eine tolle Europameisterschaft hier in Südfrankreich mit fantastischem Segelrevier, sehr freundlichen und engagierten Gastgebern und dem ebenso legendären wie verlässlichen OK-Spirit in der internationalen Gemeinde, der mindestens die Hälfte zum Gelingen einer großen Regatta beiträgt.

Fredrik Lööf ist ein verdienter und sehr sympathischer Europameister, der aber bis zum letzten Rennen um seinen ersten internationalen OK-Titel kämpfen musste. Bis letztes Jahr war Fredrik noch Profisegler. Obwohl er schon viele Titel gewonnen hat, allein drei Olympiamedaillen, zeigte er jetzt wirklich echte Freude über seinen Erfolg bei uns OK-Amateuren und genoss die Tage genau wie wir hier in Bandol.

Video des Tages von Robert Deaves

Endergebnis